ESSAY: Was ist Design? Veröffentlich im Hochschulmagazin »Zwiebelfisch# 10 - Design, Ethik + Moral« reddot design award winner 2011

Der Zwiebelfisch ist ein unregelmäßig erscheinende Publikation der Freie Hochschule für Grafik Design und Bildende Kunst Freiburg e. V.

Konzeption, Gestaltung und Redaktion:
Die Grafik-Design-Studenten der FHF: Philipp Arne Kirberg, Jana Rupp, Victoria Khramtsova, Felix Pauer, Anna Maria Gehmann, Benjamin Jung, Stella Witry, Viktoria Klaas, Anna Ruseva, Lydia Frick, Tatjana Gössl. Leitender Dozent: Jürgen X. Albrecht


Ausschnitt:

»...Design ist ein Plan. Design ist eine Idee des Menschen, der damit bewusst versucht, für ein Problem oder einen Missstand eine Lösung zu bieten. Diese Lösung wird durch eine funktionale Sprache erfahrbar und so die Botschaft lesbar gemacht und vermittelt. (...)

Das Planen setzt ein intensives Auseinandersetzen und Hineindenken in eine Sache voraus. Das beginnt im aktiven Austausch durch Diskussionen und ständiges Reflektieren, Überdenken und Reagieren. Über seine Arbeit zu sprechen konkretisiert die eigenen Gedanken. Darüber zu diskutieren offenbart Schwachstellen. Design wird erst zu dem, was es ist, wenn es auf sein Umfeld trifft; also arbeitet nicht im Stillen.

Das Planen hinterfragt. Deshalb setzt Design seinen Prozess früher an, beginnt vor der reinen ästhetischen Formgebung und stellt die Sache von Grund auf in Frage. So wird Design zu einer Lösung, basierend auf Fakten, welche in etwas Greif- oder Spürbares übersetzt werden. Design nimmt Bezug auf die Wahrnehmung der Rezipienten.

Es macht Menschen empfindsam für einen Sachverhalt oder eine Möglichkeit. Die emotionale Komponente ist dabei sehr wichtig. Sie spielt mit den Erfahrungen und Erinnerungen der Menschen. Ihre Bedeutung liegt in den wahrnehmbaren Zwischenräumen. Das vielfältige Beziehungsgeflecht wird durch Bilder und Geschichten, die in unserer Wahrnehmung durch Botschaften und Motive ausgelöst werden, greifbar. Die Zwischenräume werden also aktiver durch Assoziationen. Emotionalität muss spürbar sein, aber um ihren Reiz nicht zu verlieren, nicht vollkommen zu sehen sein. Diese Gradwanderung richtet sich stark nach der Wahrnehmung der Rezipienten. Die Empfindung dafür sollte über die Gestaltung angeregt werden. (...)

Ein Design objektiv zu beurteilen ist sehr schwierig. Denn wie schon diskutiert spielen nicht nur die Ästhetik (welche subjektiv differenziert) sondern auch die Relevanz eine wichtige Rolle. Gutes Design inspiriert, veranlasst eine Handlung oder eine Emotion. Design ist gut, wenn es eine Berechtigung besitzt. Gutes Design überdauert und richtet sich nicht nach Trends. Design kann auch gut sein, obwohl es dem allgemeinen Ästhetikempfinden nicht entspricht. Denn das finale Aussehen erfolgt aus seiner Relevanz, der zu grunde liegenden Absicht und den Bedürfnissen. Doch ebenso kann Design auch schlecht sein, wenn es eben nur gut aussieht und sonst nichts. Schlechtes Design macht taub und stumpf. Schöne Sachen sind nicht immer gefragt. Genauso wenig wie manchmal nicht nach Vernunft oder Ordnung verlangt wird. (...)